Heinavanker - Loomiselaul
- Album:
- 14 Tracks, 60:44 min
- Format:
- MP3, 320 kbit/s
- Genre:
- Classical
- Artist:
- K&K Verlagsanstalt
Heinavanker - Loomiselaul
Vokalmusik aus Estland
Heinavanker
Loomiselaul
Die Schöpfung
Estnische Vokalmusik der Renaissance
mit Werken von Johannes Ockeghem
und estnisch geistlichen Volksliedern
Künstlerische Leitung: Margo Kõlar
Dieses Konzert bezieht seinen besonderen Reiz aus der kontrastierenden Gegenüberstellung von artifizieller Renaissancemusik eines Johannes Ockeghem mit der originären Kraft estnischer geistlicher Volksmusik. Die estnischen geistliche Volkslieder sind im Schoss des religiösen Erwachens der Landbevölkerung entstanden. Die Texte stammen zumeist aus dem lutherischen Gesangbuch, die Melodien jedoch sind bis zur Unkenntlichkeit verändert und gelegentlich virtuos verziert. Heinavanker ist gleichsam die estnische Antwort auf Ensembles wie King's Singers oder Singer Pur. Estnische Chöre und Stimmen haben Weltgeltung. Singen ist in Estland eine Massenbewegung.
Zu allen Zeiten sind sich in der Kulturgeschichte zwei Denkweisen begegnet - die eine verteidigt felsenfest die Tradition, die andere strebt nach Neuerung. Ähnlich ist es in der Kirchenmusik. Stets wird überlegt, wie sie sein darf und wie sie sein kann. Der große Mann der estnischen Musikklassik, Rudolf Tobias schlägt in seinen Schriften folgende Synthese vor: "die innere Motivation der alten Musik zu erforschen" und weiter "unsere Aufmerksamkeit auf das innere Wesen unseres Zeitalters zu wenden", um "zum Endziel der zeitgenössischen Kirchenmusik zu gelangen - die tatsächlichen Bedürfnisse zu befriedigen".
Wie groß aber kann die Gemeinsamkeit der tatsächlichen Bedürfnisse im Kontext verschiedener Zeitalter, verschiedener geographischer und sozialer Situationen sein? In welcher Beziehung stehen die vom höfischen, kirchlichen und wissenschaftlichen Geist der Renaissance getragenen kontrapunktischen Meisterwerke, die meditative einstimmige klösterliche Musik des Mittelalters und die einzigartigen für das kleine Estenvolk typischen, an die Kraft der vormaligen religiösen Erwachenszeit erinnernden volkstümlichen Choral-Weisen? Und darüber hinaus- findet sich in der sich ständig ändernden und vielen Einflüssen unterworfenen Landschaft der zeitgenössischen Kirchenmusik jemand, dessen "tatsächliche Bedürfnisse" eine derartige Musik befriedigt?
Die estnischen geistlichen Volkslieder oder volkstümlichen Choräle sind im Schoss des religiösen Erwachens der Landbevölkerung entstanden. Die Texte stammen zumeist aus dem Lutherischen Gesangbuch, die Melodien jedoch sind bis zur Unkenntlichkeit verändert und gelegentlich virtuos verziert. Die halbimprovisierten Arrangements dieser Lieder erklingen als Leistung des Gesamtensembles.
Der Eckstein des begeisternden und nahezu nicht definierbaren Stiles des Johannes Ockeghem (um 1417- 1497) ist ein außerordentliches Gleichgewicht zwischen versteckten mathematischen Konstruktionen und mit ihrer Hilfe geschaffenen natürlichen, scheinbar spontanen, jedoch stets unvorhersehbaren Melodielinien.Ockeghem ist ein Komponist, der das musikalische Denken einer Epoche zur Vollendung bringt, als Gegengewicht werden von den nachfolgenden Generationen leichter durchschaubare Pfade bevorzugt. Die Werke Ockeghems stellen an Sänger nach dem heutigen Verständnis so unübliche Ansprüche, dass ihr Vortrag als eine echte Mutprobe zu gelten hat. "Der Altmeister selbst hat schließlich 40 Jahre mit den gleichen Sängern gearbeitet" seufzen die Sachkenner und legen die Partitur zurück in die Schublade.
Zum Schluss des Konzertes erklingt eines der ältesten und eigenständigen Beispiele unserer Kultur, ein vorchristliches "Regi"lied, die Schöpfung. Es handelt von einem Vogel, der in "unserer Koppel" einen Nistplatz findet, Eier legt, und Junge ausbrütet, eines der Jungen wird die Sonne, das zweite der Mond, das dritte zum Himmelsstern, das vierte zum Regenbogen. Das Alter der "Regi"lied - Tradition dürfte mehrere tausend Jahre betragen. In der Schaukelweise aus Kadrina erkennt man klar die Hauptkennzeichen eines Regiliedes, der Anfangsreim, als Versmaß der achtfüßige Trochäus, der Wechsel zwischen Vorsänger und Chor, und beider Zusammenklang durch den eigentümlichen "leegajus": vor dem Beginn des nächsten Verses singen Vorsänger und Chor die letzten Silben des vorigen Verses gemeinsam.
Margo Kõlar,
künstlerischer Leiter
Das ENSEMBLE HEINAVANKER begann im Jahr 1988 in Tallinn – im Studio Linnamuusikud, gemeinsam zu musizieren. Den Namen (zu deutsch Heuwagen) hat die Gruppe sich nach dem berühmten Flügelaltar des Künstlers ihres Lieblingszeitalters Hieronymus Bosch (1453-1516) gegeben. Die allegorischen Szenen dieses Altars wirken gerade heute verblüffend aktuell. Auf diesem seltsamen Gemälde ist eine riesige Heufuhre dargestellt, die über das von Habgier zerfressene Land ins Verderben rollt. In der Bildmitte aber entsteht die Musik, die sowohl der betende Engel als auch der heimliche Dämon in Besitz nehmen wollen. Im Zentrum des Interesses stand die historische musikalische Liturgie sowie die Suche nach dem eigenen Weg ins Licht des geistigen Erbes. Die meisten Konzertprogramme stützen sich auf die Gregorianischen Gesänge, auf die frühe Polyphonie und auf geistliche estnische Volkslieder. Auf dem Programm stehen auch zeitgenössische Werke aus Estland. Das Ensemble Heinavanker hat seit 1988 viele Konzertreisen unternommen, u.a. nach Finnland (1989-95), Frankreich, Deutschland (ab 1990 jährlich), Polen (1992, 93, 95-97), Sardinien (1992) Skandinavien, Europ. Kirchenmusik Schwäb.Gmünd, Konzertreihe Alte Musik Sengwarden, Sommerkonzerte in Friedrichshafen, Nürnberg, Schönberger Musiksommer. Teilnahme am Wettbewerb "Guido d'Arezzo (Italien) – 1.Preis unter den Vokalensembles (1991). Teilnahme an verschiedenen Festivals in Moskau (Festival Früher Musik – 1988, 1990), Ärhus Festival (Denmark) - 1999, Musiksommer 2000 Mecklenburg-Vorpommern, EXPO 2000 in Hannover, 2001 - 2003 Teilnahme an Festivals in Skandinavien (Europäisches Mittelalterfestival in Horsens u. Vendsyssel Festival, Denmark, Falsterbonäset Kirchenmusik Festival u. Lysekil Kirchenmusik Festival in Schweden, Haapavesi Folk in Finland u.v.m.
Eve Kopli – Sopran
Katri Hunt – Alt
Anto Önnis – Tenor
Taniel Kirikal – Bariton
Bambola Krigu – Bass
Margo Kõlar – Tenor und künstlerische Leitung
Price incl. VAT
Item details
- Genre
- Classical
- Format
- ZIP (120.91 mb)
- Uploaded
- 21.05.2009
- Hits
- 1643
- License
- © Copyright
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