Nachtwache - Drei klassische Spukgeschichten
- Album:
- 65:15 min
- Format:
- MP3, 320 kbit/s
- Genre:
- Suspense & Entertainment
- Artist:
- musica legenda Verlag
Nachtwache - Drei klassische Spukgeschichten
Inhalt:
Der Bahnwärter (Charles Dickens)
Diese Kurzgeschichte erschien zuerst 1866 und beruht bis zu einem gewissen Grad auf einem Bahnunglück, das Charles Dickens selbst miterlebte. Dickens war auf dem Rückweg von einem Treffen mit der Schauspielerin Ellen Ternan in Paris, als sein Zug am 9.Juni 1865 bei Staplehurst in Kent verunglückte. Der Wagen der Ersten Klasse, in dem er saß, war der einzige, der unbeschadet auf den Gleisen blieb. Dickens half den Verwundeten und Sterbenden und dieses Erlebnis verfolgte ihn in traumatischer Weise in den Folgejahren. Auch das Unglück vom Clayton-Tunnel von 1861, bei dem 23 Menschen getötet und 176 verletzt wurden, wurde zur Grundlage der Geistergeschichte „Der Bahnwärter“ (original: ‚The Signal Man‘). Die kleine Erzählung lebt von einer ganz eigenen Stimmung: der Bahnwärter ist zwar ein Mensch, der Sorgen und Hoffnungen hat; jedoch steht von Anfang an auch die Vermutung im Raum, dass er, der in einem grabähnlichen Bahnhäuschen sitzt, der Geisterwelt angehören könnte.
Die angemessene Umgebung (Ambrose Bierce)
Diese makabre Kurzgeschichte von Ambrose Bierce (1842-1914, verschollen) bringt eine interessante Variante der Ghost Story: Bierce benutzt sie nicht, um romantische Bedürfnisse zu befriedigen, sondern um Illusionen zu zerstören. Große Vorhaben - das Lesen bzw. Schreiben einer Geschichte, die töten kann - enden mit kleinem Scheitern. Selbst der Suizidversuch der Hauptperson misslingt, sie endet in der Zwangsjacke. Der Zerfall zeigt sich auch in der äußeren Gestalt der Geschichte: Der zeitliche Ablauf ist nicht linear dargestellt. Die Handlung beginnt in der Nacht und erzählt erst dann den Tag davor. Die ‚Angemessene Umgebung‘ erzählt vom Schreiben von Geistergeschichten und ist insoweit ein wenig autobiographischer Natur. Der Junge, der sich verlaufen hat und sich ‚von den Sternen leiten‘ lässt, ist vielleicht Bierce selbst, der mit 15 Jahren von seinem Zuhause fortgelaufen sein soll, zeitweise als Journalist gearbeitet hat und dessen Spuren sich 1914 im mexikanischen Bürgerkrieg, an dem er mit über siebzig Jahren noch freiwillig teilnahm, verlieren.
Das Bettelweib von Locarno (Heinrich von Kleist)
ist die früheste der hier zusammen gestellten Kurzgeschichten. Auch um 1810 waren Gespenstergeschichten bereits Mode und es ist zu vermuten, dass Kleist diese kurze Erzählung aus kommerziellen Erwägungen schrieb. Sie wurde 1810 in den „Berliner Abendblättern“, einer Zeitschrift mit hoher Auflage, veröffentlicht. Kleist nutzte freilich diesen scheinbar unbedeutenden Anlass, um ein geschliffenes kleines Meisterwerk des Schauderns und der Sprache zu schaffen, in welches einige Widersprüche und Brüche eingebaut sind. Der sprachlich markanteste Bruch findet in der letzten Szene statt, wo die Erzählvergangenheit vom Präsens abgelöst wird. Kleist erreicht hiermit eine Steigerung der Dramatik, sowie auch des Unwirklich-Phantastischen. Joseph von Eichendorff schreibt 1846: „Wo gibt es in unserer ganzen poetischen Literatur etwas Verzweiflungsvolleres als die kleine, fast epigrammatisch-grausenhafte Erzählung vom ‚Bettelweib von Locarno‘?“
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- Genre
- Suspense & Entertainment
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- ZIP (131.02 mb)
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- 10.06.2010
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- GEMA



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